Montag, 7. Mai 2012
Glücklich sein...wer kann das schon?
Es liegt nicht immer in unserer Hand, glücklich zu sein. Viele Aspekte unseres Lebens sind davon geprägt, glücklich sein zu wollen. Jeder sucht auf seine eigene Art und Weise sein Glück und manche finden es, andere nicht. Die, die es nicht finden, verlieren sich in widersprüchlichen Diskussionen mit denen, die ihr Glück gefunden haben, was Glück denn eigentlich bedeutet. Sind es Freunde, die einem zur Seite stehen oder die Familie, die einen umsorgt? Ist es vielleicht die große Liebe, die man immer fokussiert und in jeglichen Filmen vorgesetzt bekommt? Ich weiß es nicht. Das einzige, das ich weiß, ist, dass ich es nicht gefunden habe. Ich hatte es, aber es ist mir aus den Händen geglitten wie alles andere, was ich angefasst und woran ich versucht habe mich festzuhalten. Dieser verzweifelte Versuch, sich an etwas zu klammern, um nicht wieder auf den Boden der Tatsachen zu fallen, war immer der letzte Notnagel. Was ich aus all diesen Rückschlägen gelernt habe? Nichts.
Die wiederkehrenden Alpträume über missratene Versuche, einen Menschen in das Leben zurückzuholen, die Frauen, die kamen und so schnell verschwanden, wie sie gekommen waren und die selbstverständliche Unlust, überhaupt am Leben bleiben zu wollen, vergifteten diesen Menschen. Diese Seele ist schwarz, dunkel und verkrüppelt. Ich habe versucht mit allem, was in meiner Macht stand und mit unzerbrechlicher Geduld, einem Freund, die Freude am Leben wieder zu geben. Ich bin gescheitert. Es sollte nicht das einzige Mal bleiben. Der 28. Dezember ist für immer in meinem Leben ein sehr schwieriges Datum. Ein Datum, was mich zusammenbrechen ließ, mich gefasst hat und nie wieder loslassen sollte. Unendliche Gespräche hätte ich mit dir noch führen wollen und ich weiß, nein, ich bin mir sicher, du hättest mir in dieser schwierigen Zeit auch zur Seite gestanden, hätte ich denn damals nicht versagt. Ich bin gescheitert an der Aufgabe, die mir im Alter von 15 Jahren gestellt wurde. Mein Name in deinem Abschiedsbrief, die Schrift, mit der du ihn geschrieben hast, die Tränen, die die Tinte verschmierte, das Blut, das das Blatt rot färbte....wie könnte ich so etwas je vergessen? Ich bin jetzt wieder an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht weiter weiß und dein Rat mir sehr viel bedeuten würde, aber ich habe versagt. Zwischen Gefühlen für eine Frau, bei der ich nicht weiß, was sie für ein Spiel spielt und den quälenden Gedanken, die mein Kopf zum Zerbersten anschwellen und pochen lassen, versuche ich ein Gegenpol gegen den schlechten Einfluss zu erschaffen, aber ich scheitere jedes Mal auf das Neue. Die Maske, die mich vor diesem schlechten Einfluss schützen sollte, existiert nur noch in meiner Phantasie. Sie ist nur noch Fassade. Die Fassade, die bröckelt, droht einzustürzen und versucht mich mit herunter zu ziehen. Gehe ich den richtigen Weg, mein Freund? Jeder Versuch mit dir zu sprechen, scheitert daran, dass du mir nicht mehr antworten kannst, denn ich habe damals versagt.
Mir wurde schon vieles an den Kopf geworfen und einiges davon ist ohne etwas zu hinterlassen an mir eiskalt abgeprallt, jedoch nie der Vorwurf, ich sei schuld, nie der Vorwurf, ich verlaufe mich dort in irgendetwas, nie der Vorwurf, ich hätte mir zu viele Hoffnungen gemacht.



Mittwoch, 27. Juli 2011
Ist das Recht zu leben, eine Pflicht zu leben?
Durch soziale Strukturen, Lebensgeschichte oder Veranlagung gibt es Menschen in unserer Gesellschaft, die dieses Leben nicht leben können bzw. wollen. Angesichts der Probleme in unserer Welt, die Liebe gegen Leistung tauscht, in der egoistisches Konkurrenzdenken uns voneinander entfremdet, Angst vor der Zukunft die Gegenwart zur Qual macht, DARF es uns doch nicht wundern, dass sich immer mehr Menschen in ihre eigene Welt verschanzen.

Der falsche Gedanke, dass das Leben ein Geschenk sei, das man auf jeden Fall bis zum Ende auskosten solle, ist genauso falsch wie denen ihren eigenen Willen zu verweigern, den Freitod zu wählen. Alleine die Perspektive der Wahrnehmung erklärt die Chance selbstbestimmt handeln zu können, sich von den Qualen der Vergangenheit und Gegenwart zu lösen. Meist entsteht dieser Gedanke in dem Menschen aus einer affektiven Situation heraus, weniger eine für längere Zeit geplante Tat. Warum verwehrt man Menschen dieses Recht?

Obwohl der Freitod in der Geschichte sehr weit zurück geht, wohlmöglich genauso alt ist wie der Mensch selbst, wird er desweilen als nicht nachvollziehbar abgestempelt. Zunehmend wird er bagatellisiert und mit viel Misstrauen beäugt, als hinterfragt, warum Menschen in diesen inneren Monolog gedrängt werden.

Emile Cioran hat gesagt, dass es sich nicht lohne sich zu töten, denn man töte sich immer zu spät.

Die Kälte, die diese Welt birgt, die Versagensängste, die in einem geschürt werden, die eigene Sinnlosigkeit, die einem vor Augen geführt wird, die zunehmende Radikalisierung gegen Fremdes, die Anonymität und weitere Dinge treiben den Menschen dazu, eine ruhigere Welt oder zumindest die Alternative des Todes zu suchen, wenigstens den Gedanken daran. Denn alleine der Gedanke beinhaltet eine erschreckende Ruhe. Wer in sich gekehrt nur an sich denkt, der treibt in eine unendliche Stille….eine beruhigende Stille.

Das Gegenargument gegen den Suizid ist immer der angebliche Egoismus, der dem Umfeld in eine größtmögliche Trauer stürzen soll und wohlmöglich fehlinterpretiert als Rache gesehen wird. Jedoch liegt man damit falsch, denn jede erdenkliche Tat des Menschen ist egoistisch. Sei es die Hilfe einem anderen Menschen gegenüber, um vielleicht ganz nach Kants kategorischen Imperatives in einer misslichen Situation selbst Hilfe zu bekommen oder die Erziehung des eigenen Kindes, um in der Zukunft „abgesichert“ zu sein. Sogar die Trauer über einen durch den Freitod verlorenen Freundes scheint egoistisch. „Warum habe ICH nichts gemerkt?“ Warum konnte ICH ihm nicht helfen?“ sind die häufig gestellten Fragen, aber den Gedanken, dass man sich darüber freuen könne, dass dieser Freund das Leben beendet hat, dass er immer ablehnte, scheint den meisten Menschen abwegig.

„Niemand kennt den Tod. Und es weiß auch keiner, ob er nicht das größte Geschenk für den Menschen ist.“
-Sokrates-



Montag, 25. Juli 2011
"Ein Kind, das heute verhungert, wird ermordet."
Sehr lesenswert:

Ein Interview der SZ mit dem Soziologen Jean Ziegler

http://www.sueddeutsche.de/kultur/jean-ziegler-im-gespraech-empoert-euch-1.1124101

Auszug:

Wenn ich ein Somali wäre, dessen Kinder gerade verhungern, weil aus der EU nur ein Sonderkredit von 30 Millionen kommt, und gleichzeitig hören würde, dass die EU soeben 162 Milliarden Dollar freigesetzt hat, um die Gläubigerbanken der Griechen zu retten, weiß ich nicht, wie groß mein Glaube an Europa noch wäre.